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Angermann NRW Geschäftsführung
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Zwei Jahre Angermann NRW

Drei, die ein Traditionshaus übernommen haben - ein Gespräch über vier Phasen

Am 1. Juli 2024 wurde aus der RheinReal Immobilien GmbH - über Jahre einer der führenden Gewerbeimmobilienmakler Kölns - die Angermann NRW GmbH, angeschlossen an die Angermann Real Estate Group und zugleich unternehmerisch eigenständig. Übernommen haben das Haus zwei langjährige Führungskräfte und ein Branchenfremder: Patrick Sohns, Alexander Wunderle und Alexander Gruhler. Zwei Jahre später ziehen die drei geschäftsführenden Gesellschafter Bilanz - im Gespräch miteinander.

 

Der Einstieg: Ein Haus übernehmen, das man nicht selbst gebaut hat

Gruhler: Wenn ich ehrlich bin - von außen hätte man uns für verrückt halten können. Zwei langjährige Mitarbeiter und ein Mann, der aus der Digitalbranche kommt, kaufen ein etabliertes Kölner Traditionshaus mit exzellentem Ruf. Und das ausgerechnet in einem Moment, in dem die Branche am Tiefpunkt angekommen war - in der Vermietung wie im Investment. Die naheliegende Frage in der Szene war: Kann das gutgehen?

Sohns: Für uns war genau dieser Zeitpunkt aber kein Argument dagegen, sondern dafür. Wer am Tiefpunkt einsteigt und sauber arbeitet, baut auf festem Grund. Die antizyklische Herangehensweise ist nie bequem, aber oft richtig. Und es war ja kein leeres Blatt. Wir haben kein Start-up gegründet, wir sind in ein gesundes, laufendes Unternehmen eingestiegen, mit einer eingespielten Mannschaft, einer Kultur, und einer gewachsenen Historie im Markt. Man erbt nicht nur Mandate und ein Netzwerk, welches man maßgeblich mit aufgebaut hat, man erbt Verantwortung.

Wunderle: Genau deshalb war das Erste, was wir getan haben, nicht das Umbauen, sondern das Verstehen. Patrick und ich kannten das Haus von innen, klar. Aber als Gesellschafter schaut man anders auf eine Firma als als Angestellter. Wir mussten erst verstehen, was wir bewahren wollen, bevor wir entscheiden, was wir verändern.


Gruhler: Und das ist für mich rückblickend der entscheidende Punkt. Wir waren nicht naiv. Wir hatten von Anfang an klare Zielvorstellungen - Strategie, Meilensteine, eine Roadmap für die Unternehmensentwicklung. Aber wir wussten: Ein Haus, das man nicht selbst designt hat, gestaltet man nicht über Nacht um. Das respektiert man erst.

Im Bild: Hamburg im Frühjahr 2024, auf dem Weg zur Angermann Real Estate Group; den Partnervertrag aushandeln.IMG-20240514-WA0009-jpg

 

Das Trio: Drei Spezialisten, ein vollständiger Markt

 

Wunderle: Unsere besondere Stärke liegt tatsächlich in der Aufteilung unserer Kompetenzen. Ich komme ursprünglich aus der Bürovermietung und habe dort große Corporate-Mandate verantwortet. Über die Kore Capital habe ich die Asset-Management-Kompetenz in die Angermann NRW eingebracht - einen Bereich, den es in dieser Tiefe vorher nicht gab. Zudem habe ich den Investmentbereich mit aufgebaut: von einer eher hemdsärmeligen Abteilung hin zu einer professionellen Einheit, die zuletzt auch große Mandate für institutionelle Investoren und Private-Equity-Häuser betreut hat.

Sohns: Ich habe den Geschäftsbereich Industrie & Logistik seit 2010 bei RheinReal aufgebaut. Das heißt, wir waren in diesem Segment bereits erfolgreich tätig, als viele andere Marktteilnehmer in Köln noch gar nicht tätig waren. Ohne diesen Aufbau gäbe es ihn in dieser gewachsenen Struktur so nicht. Und seit 2025 bauen wir das Investmentgeschäft innerhalb dieses Feldes strategisch verstärkt aus. Ein noch junger Bereich mit höchstem Potenzial, welcher naturgemäß stark am Markt hängt.

Gruhler: Und ich bin der Branchenfremde - Corporate Relations, Digitalisierung, KI, Marketing, Business Development, Unternehmensentwicklung. Ich habe über siebzehn Jahre eine der größten inhabergeführten Digitalagenturen Deutschlands mit aufgebaut. Das, was ich einbringe, findet man bei einem klassischen Maklerhaus selten: Digitalisierung und KI als Teil der DNA, nicht als Beiwerk.

 

Sohns: Das Entscheidende ist: Keiner von uns spielt den Allrounder. Jeder steht für seinen Bereich. Genau diese drei Spezialisierungen decken zusammen ab, was ein Kunde heute abfragt, braucht und nicht überall in gleich hoher Qualität bekommt - von der Bürovermietung über Industrie und Logistik bis zum Investment. Ein schlagkräftiges Trio, das die zentralen Bereiche eines Unternehmens vollständig besetzt.

Wunderle: Und trotzdem fühlen wir uns in vielerlei Hinsicht noch wie in einem Start-up. Nicht, weil wir ein Unternehmen sanieren mussten - im Gegenteil: Wir haben ein gesundes Unternehmen übernommen. Aber die Mischung aus der Substanz eines Traditionshauses und dem Gestaltungswillen eines Start-ups erlebt man nicht oft.

Im Bild: Die 3 neuen Gesellschafter zusammen mit dem Alt-Gesellschafter Dirk Hindrichs. Die Verbundenheit ist auch zwei Jahre nach Übernahme spürbar und bleibt.

 

 

Phase 1 - Planung & Entschluss

Gruhler: Bevor irgendetwas offiziell wurde, gab es eine lange Phase der Vorbereitung. Da ging es um das Zukunftsmodell von Angermann NRW, um den Partnervertrag, um vieles mehr. Was darin oft untergeht, aber für mich das Wichtigste war: Wir haben vor dem ersten Tag gemeinsam unsere Werte definiert. Mission, Vision, Purpose. Diese vier Unternehmenswerte sind kein Marketing - sie sind unser Versprechen an die Mannschaft.

Wunderle: Im Rückblick war das ein entscheidendes Fundament. Wenn die ersten wirklich schwierigen Monate kommen, braucht man etwas, das trägt. Für uns waren das unsere gemeinsamen Werte.

Sohns: Am 1. Juli 2024 war es dann so weit. Übernahme wirksam, Anschluss an die Angermann Real Estate Group vollzogen. Ab da zählte nicht mehr der Plan, sondern die Umsetzung.

Im Bild: Westerwald, Hotel Zugbrücke Anfang 2024. In Workshops wurde die Unternehmensübernahme geplant.

 

Phase 2 - Aufbau

Wunderle: Die ersten Monate waren die intensivste Zeit. Basisarbeit im besten Sinne. Aus RheinReal musste überall Angermann NRW werden - Corporate Design, komplette IT-Umstellung, die ersten Digitalisierungsthemen. Und das alles, während das Tagesgeschäft keine Sekunde stillstehen durfte. Gleichzeitig befanden wir uns in einer der schwierigsten Marktphasen der vergangenen Jahre. Umso wichtiger war es, dass wir den Blick nach vorne nicht verloren haben.

Gruhler: Wir sind in dieser Phase stark auf Sicht gefahren. Viele Fragezeichen, hohes Tempo, getrieben davon, die Umstellung sauber hinzubekommen - in Richtung neuer Strukturen, neuer Ansprüche, neuer Ziele. Und parallel die wichtigste Aufgabe überhaupt: Kommunikation. Change-Kommunikation. Eine ganze Mannschaft mitnehmen in ein neues Kapitel, mit neuen Chefs, neuem Wertekompass.

 

Sohns: Man unterschätzt das leicht. Die härteste Arbeit in so einer Phase ist nicht die IT. Es sind die Gespräche. Menschen mitzunehmen, die jahrelang ein anderes Haus und eine möglicherweise andere Philosophie gewohnt waren.

 

 Phase 3 - Konsolidierung & Klarheit 

Gruhler: 2025 war das Jahr der Konsolidierung. Die erste heiße Phase war vorbei, und es ging darum, Klarheit zu schaffen: Worauf bauen wir? Wofür stehen wir? Wir haben Strukturen geschärft und gezielt investiert - in Ausbildung, in Aufbau, in Substanz.

Wunderle: In jeder Übernahme stellt sich irgendwann heraus, dass nicht jeder denselben Weg gehen will oder kann. Das gehört zur Wahrheit dazu, und man löst es mit Respekt und Augenmaß. Wichtiger ist, was wir aufgebaut haben: Wir haben verjüngt, ergänzt, neu investiert. Am Ende von 2025 stand ein Team, das geschlossen nach vorne schaut.

 

Sohns: Diese Phase war weniger spektakulär als der Aufbau, aber genauso wichtig. Ohne Klarheit hätten wir nicht in die Gestaltung gehen können.

Im Bild: Die 3 Gesellschafter 2025 bei der Grundsteinlegung von BAUWENS, Goldschmied Carré

 

Phase 4 - Gestalten

Sohns: Seit Anfang 2026 sind wir in der spannendsten Phase: der Gestaltungsphase. Wir sind in der Vorhand. Die Themen von gestern spielen keine Rolle mehr - es geht nur noch nach vorne. Industrial, Light Industrial und Investment werden erfolgreich weiterentwickelt, die Erfolge sind noch sichtbarer.

Wunderle: Und das merkt man auch im Markt. Die Wahrnehmung hat sich verändert. Heute wird Angermann NRW als eigenständige Marke wahrgenommen - in der Bürovermietung genauso wie in Industrie und Logistik oder im Investment. Das haben wir uns in den vergangenen zwei Jahren erarbeitet. Geschenkt wurde uns das nicht.

Gruhler: In unseren Strategie-Sessions erschließen wir jetzt neue Märkte, teils neue Regionen. Wir können uns komplett neu gestalten - ohne den Ballast einer Aufholjagd. Das ist ein anderes Arbeiten als noch vor einem Jahr.

Im Bild: Ost-Tirol 2026 während des Team-Events mit allen Angermann NRW Mitarbeitern

Die Energie im Haus

Gruhler: Das Verrückteste an diesen zwei Jahren ist nicht die Bilanz. Es ist die Energie. Wir haben das Gefühl, dass unsere rund zwanzig Mitarbeitenden alle in dieselbe Richtung laufen. Diese Geschlossenheit habe ich so selten erlebt.

Wunderle: Das ist kein Zufall. Es ist das Ergebnis der Werte, die wir vor dem ersten Tag definiert haben - und neuer Formate, die wir intern geschaffen haben, um nah an der Mannschaft zu bleiben, immer am Puls. Nicht alles davon erzählen wir öffentlich. Aber diese Nähe ist unser eigentliches Kapital.

Sohns: So gut wie unser gesamtes Team ist bei uns und durch uns ausgebildet worden. Wer hier arbeitet, trägt unsere Standards von Anfang an in sich. Das sorgt für ein harmonisches und eingespieltes Miteinander. 


Im Bild: Gala-Dinner in Ost-Tirol 2026 beim Team-Event mit allen Angermann NRW Mitarbeitern

 

Investition statt Entnahme

Sohns: Der Gewerbeimmobilienmarkt bewegt sich seit rund vier Jahren in einer niedrigen Seitwärtsbewegung. Das spüren wir natürlich auch. Und trotzdem standen wir von Stunde eins an wirtschaftlich solide da, weil die Planungen solide und realistisch waren und wir unsere Hausaufgaben gemacht haben.

Gruhler: Und an dieser Stelle haben wir als Gesellschafter eine bewusste Entscheidung getroffen: Investition first. Statt uns hohe Summen auszuzahlen, investieren wir in ein modernes Angermann NRW, das am Markt auch als solches sichtbar ist. „Werte schaffen, die bleiben“ - das ist kein Claim für die Website, das ist unsere Kapitalallokation.

Wunderle: Wir denken und handeln langfristig. Gerade in einem Markt, der über längere Zeit seitwärts läuft, ist es wichtig, finanziell handlungsfähig zu bleiben.

Netzwerk - und ein Dank

Wunderle: Ein Wort zur Angermann Real Estate Group, denn sie gehört zu diesen zwei Jahren einfach dazu. Wir haben unseren Platz in der Gruppe schnell gefunden. Der Austausch funktioniert in beide Richtungen: Wir profitieren von den Kompetenzen und dem Netzwerk der Gruppe, gleichzeitig bringen wir unsere starke Marktpräsenz und unser gewachsenes Netzwerk in NRW ein.

Gruhler: Diese gegenseitige Befruchtung ist ein echtes Asset. Und sie war kein Selbstläufer. Ein großer Dank gilt Sami Steinbach und Dr. Torsten Angermann - sie waren die Enabler dieses Wegs und haben uns einen Warm Welcome bereitet, den wir nicht vergessen.

Im Bild v.l.n.r.: Patrick Sohns, Alexander Wunderle, Lucas Agermann, Dr. Torsten Angermann, Alexander Gruhler während eines Strategie-Workshops im März 2026 in Hamburg  

Der Ausblick: Fertig sind wir nie

Sohns: Wenn man uns nach der Zukunft fragt - wir denken gerade noch gar nicht ans Ernten. Das hat auch einen nüchternen Grund: Ernten hängt am Markt, und der gibt es im Moment nur bedingt her. Also gestalten wir weiter und investieren.

Wunderle: Die nächste Phase wird deshalb wahrscheinlich eine Mischung aus beidem: weiter gestalten und gleichzeitig die Früchte der vergangenen Jahre ernten - immer dann, wenn der Markt es zulässt. Und ich glaube, genau das macht Unternehmertum aus: Es gibt nie einen Punkt, an dem man fertig ist.

Gruhler: Genau so ist es. Wir sind ambitioniert. Wir schätzen unsere Mitarbeitenden sehr und sind echte Fans von ihnen - genauso wie von unseren Kunden und unserem Business. Vor uns liegt mehr, als hinter uns liegt - mit demselben Anspruch wie an Tag eins.

Lassen Sie von sich hören.

Was können wir für Sie tun?

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Alexander Wunderle

Geschäftsleitung, Investment, Landlord Services, Mietervertretung

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